18.10.12 6.Europäischer Tag gegen Menschenhandel

Berlin, 18.10.2012. Heute, am 18. Oktober, dem 6. Europäischen Tag gegen Menschenhandel, startete die Frauenrechtsorganisation TERRE DES FEMMES die Kampagne „Aufenthaltsrecht für Opfer von Zwangsprostitution, jetzt!“ auf dem Pariser Platz vor dem Brandenburger Tor.  Nach der Eröffnungsrede von Irmingard Schewe-Gerigk, Vorstandsvorsitzende des Vereins, wurde erstmalig das Straßentheater, das Kernstück der Aktion, aufgeführt. „Bei Menschenhandel handelt es sich um eine der schlimmsten Menschenrechtsverletzungen. Circa 10.000 bis 30.000 Mädchen und Frauen werden jährlich zur sexuellen Ausbeutung nach Deutschland verschleppt“, informierte Schewe-Gerigk. „Frauen, die es geschafft haben, sich aus dieser Zwangslage zu befreien, sind schwer traumatisiert und benötigen dringend Hilfe. Ihnen muss aus humanitären Gründen ein unbefristeter Aufenthaltstitel in Deutschland erteilt werden, ohne den Zwang vor Gericht aussagen zu müssen. Zudem muss Betroffenen geeignete Betreuung und Entschädigung garantiert werden. Dafür treten wir mit dieser Kampagne ein“, so Schewe-Gerigk.
Circa 350 Menschen sahen gespannt und bewegt zu, wie die drei SchauspielerInnen künstlerisch das Thema Zwangsprostitution darstellten –  die Verletzlichkeit der Frauen, die präsente Gewalt. „Es ist schockierend zu sehen wie diese Frauen zu einer Ware reduziert werden. Sie sind die Opfer während die Menschenhändler  verdienen und die Freier sich über billige Angebote freuen. Ich bin entsetzt, dass sie bei einer Befreiung keine Unterstützung erfahren, sondern meist in ihr Heimatland abgeschoben werden“, sagte eine Passantin.  Auch der bekannte Schauspieler Rudolf Kowalski unterstützt die Kampagne. „Es ist ein Skandal, dass unsere Gesetze die Opfer dieses Sklavenhandels benachteiligen statt sie zu schützen.  Der deutsche Gesetzgeber muss in diesem Sinn tätig werden.“ 
Aktuell kommt die Bundesregierung ihren menschenrechtlichen Pflichten nicht nach. Opfer von Zwangsprostitution aus Nicht-EU-Staaten werden rechtlich als illegal eingereiste AusländerInnen behandelt. Nur wenn sie bereit sind, vor Gericht gegen die TäterInnen auszusagen, können sie unter Umständen bis Ende des Strafverfahrens in Deutschland bleiben. Anschließend werden die Frauen in ihr Herkunftsland abgeschoben und stehen vor dem Nichts.
Das Straßentheater zur Kampagne wird in den nächsten zwei Wochen durch 12 deutsche Städte touren, PassantInnen über Zwangsprostitution informieren und Unterschriften für das Kampagnenziel sammeln. Im März 2013 werden die Listen an den Bundesinnenminister übergeben werden.

Quelle: Terre des Femmes